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Bis Dein Glück erwacht

gewidmet den Männern und Frauen
des deutschen Widerstands
gegen den Nationalsozialismus

Vorwort und Einführung

Der 75. Jahrestag des Stauffenberg-Attentats vom 20. Juli 1944 gab dem Verfasser den Anstoß, den Männern und Frauen des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus ein musikalisches Denkmal besonderer Art zu widmen. Dieser Widerstand war außerordentlich vielfältig. Die „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ im Bendlerblock an der Stauffenbergstraße von Berlin-Tiergarten dokumentiert dies in beeindruckender Weise. Ein Besuch dort sollte zu den Pflichtterminen jedes deutschen Berlin-Besuchers gehören.

Oft sind es Gruppen und Netzwerke von Widerstandskämpfern, die zumeist erst durch historische Forschungen im Nachkriegs-Deutschland ins kollektive Gedächtnis gelangt sind. Dies reicht von den „Edelweißpiraten“ in Dortmund und Köln-Ehrenfeld über das Netzwerk der „Roten Kapelle“ bis zur „Weißen Rose“ um Hans und Sophie Scholl sowie Alexander Schmorell, vom „Sperr-Kreis“ in Bayern bis zum „Kreisauer Kreis“ um Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg. Und der Widerstand durch ins Ausland emigrierte deutsche Künstler trägt Namen wie Marlene Dietrich und Thomas Mann.

Trotz der bewundernswerten Tapferkeit auch vieler anderer, namenloser Widerstandskämpfer braucht es einige wenige Identifikations¬figuren, die das Gedenken an den deutschen Widerstand auch für kommende Generationen nach¬voll-ziehbar machen. So wie dies bezüglich der Judenverfolgung seit 1993 für Oskar Schindler gilt. Damals hat Steven Spielbergs beeindruckendes Filmwerk „Schindlers Liste“ der Welt und den Deutschen vor Augen geführt, dass Widerstand gegen den Holocaust durch Einzelpersonen auch in Deutschland möglich war und dass hierdurch auch in Deutschland einige Wenige, leider viel zu Wenige, zu Helden und Vorbildern geworden sind.

Elser und Stauffenberg

Im Hinblick auf das Gedenken an den deutschen Widerstand ragen zwei Ereignisse und deren zwei Hauptakteure zurecht hervor: Dies ist zum einen das Attentat des württembergischen Schreiners Georg Elser auf Adolf Hitler und die Führungsspitze der NSDAP am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräu¬keller. Das andere identitätsstiftende Ereignis ist das Attentat auf Adolf Hitler im Führerhauptquartier Wolfsschanze am 20. Juli 1944 durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Es sind dies die beiden zentralen Kulminationspunkte des deutschen Widerstands: Hier ein einzelner einfacher Bürger, der in der festen Überzeugung, damit den 2. Weltkrieg zu beenden, über Wochen in gefährlicher Detailarbeit eine tödliche Bombe platziert, der Hitler nur durch unglaubliches Glück um wenige Minuten entkommen ist. Und dort der handelnde Kopf eines viele Hunderte von Widerstandskämpfern umfassenden militärischen und zivilen Netzwerks, der minutiös einen Staatsstreich plant.

Jedes dieser Attentate hätte, wäre es geglückt, welthistorische Bedeutung erlangen können. Elsers Attentat ist dabei hinsichtlich seiner potenziellen Folgen für den Verlauf der Weltgeschichte sogar noch höher einzuschätzen. Denn es hätte, wäre Hitler nicht wetterbedingt ausnahmsweise früher aus München abgereist, vielleicht den 2. Weltkrieg tatsächlich noch vor dem Westfeldzug der Wehrmacht beendet, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber sowohl den Holocaust als auch den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion verhindert.

Und wäre knapp 6 Jahre später Stauffenbergs Attentat geglückt, hätte dies wohl selbst im Fall eines dennoch missglückten Staatsstreichs Hunderttausenden von Juden sowie von deutschen und alliierten Soldaten das Leben retten können.

Allerdings darf man sich über die möglichen Folgen eines Erfolgs insbesondere des Stauffenberg-Attentats auch keine Illusionen machen. Eine dadurch herbeigeführte frühere Kapitulation Nazi-Deutschlands hätte zu Legendenbildungen geführt, welche die „Dolchstoßlegende“ nach dem 1. Weltkrieg an Wucht und Penetranz wohl noch übertroffen hätten.

Und dennoch oder gerade deswegen verdient das gescheiterte Attentat vom 20. Juli 1944 einen außerordentlichen Platz in der deutschen Geschichte. Es war nicht erfolgreich und hat die totale Zerstörung Deutschlands daher nicht verhindern können, ist aber gerade deswegen von Legendenbildungen unbelastet genug, um allen Deutschen ein Beispiel für Entschlossenheit, Mut und Tapferkeit im scheinbar aussichtslosen Kampf gegen ein Terror-Regime zu sein.

Dabei kommt dem ausgezeichneten Film „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ von Bryan Singer aus dem Jahr 2008 mit Tom Cruise in der Titelrolle eine ähnlich wichtige Rolle für die Bewusstwerdung der Vorbildfunktion deutscher Widerstands¬kämpfer zu wie „Schindlers Liste“ in Bezug auf die Verteidigung der Menschlichkeit im Angesicht des Holocausts.

Zum Scheitern des Attentats vom 20. Juli

Den Widerstandskämpfern des 20. Juli und insbesondere Stauffenberg wurde das Scheitern des Umsturzversuchs zuweilen als Versagen und „Dilettantismus“ vorgeworfen. Wer so urteilt, verkennt grundlegend die ungeheuren Belastungen, unter denen insbesondere Claus von Stauffenberg im Juli 1944 stand. Denn die Vorbereitungen zum Attentat fielen in die Hauptphase der „Operation Bagration“ der Roten Armee, die bis August 1944 zum völligen Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte führte.

Als Stabschef des Allgemeinen Heeresamtes im Berliner Bendlerblock und seit 1. Juli 1944 als Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres war Stauffenberg zum einen an vorderster Stelle in den Umsturzplan im Rahmen der „Operation Walküre“ eingebunden. Er hatte gerade aufgrund seiner Funktion aber auch Zugang zu den Lage-besprechungen in den Führerhauptquartieren und war deswegen prädestiniert für die Vorbereitung und Durchführung des Attentats.

Schließlich musste er jedoch darüber hinaus aufgrund der massiven sowjetischen Offensive in der umfangreichsten Defensivoperation des gesamten Krieges seine koordinativen soldatischen Aufgaben erfüllen, um keinen Verdacht zu erregen.

Die Übernahme aller dreier Aufgaben durch einen aufgrund von Kriegsverletzungen körperlich beeinträchtigten vierfachen Familienvater, dessen Ehefrau ihr 5. Kind erwartete, kann rückblickend natürlich als tollkühn kritisiert werden und hat letztlich vielleicht auch zu fehlerhaften Entscheidungen geführt wie der unter Zeitdruck erfolgten Entfernung der zweiten Bombe aus der für das Attentat präparierten Aktentasche.

Aber der großgewachsene Claus von Stauffenberg war ganz offensichtlich eine außergewöhnlich charismatische Persönlichkeit, ein – wie sein Mitverschwörer Ewald-Heinrich von Kleist es einmal ausgedrückt hat – „glühender Idealist mit unerhörtem Charme“, gleichzeitig jedoch auch ein „Mann der Tat“, der seine Handlungen mit kühlem Verstand klar und präzise ausführen konnte. Deswegen haben seine Mitverschwörer genau ihm ein solches Kunststück zugetraut. Und vor allem hat er selbst sich dies zugetraut, was die entscheidende Voraussetzung für ein mögliches Gelingen war.

Das mögliche und sogar wahrscheinliche Scheitern des Umsturzversuchs hatten die Verschwörer ohnehin einkalkuliert. Stauffenberg hat vor diesem Hintergrund seine wesentliche Motivation so zusammengefasst:

„Es ist Zeit, dass jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen. […] Ich könnte den Frauen und Kindern der Gefallenen nicht in die Augen sehen, wenn ich nicht alles täte, dieses sinnlose Menschenopfer zu verhindern.“

Und Henning von Tresckow, die neben Stauffenberg zentrale Persönlichkeit des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, hat in einem Brief an Stauffenberg den vielleicht entscheidenden Beweggrund kurz vor dem 20. Juli 1944 noch einmal auf den Punkt gebracht

„Das Attentat muss erfolgen, coûte que coûte. Sollte es nicht gelingen, so muss trotzdem in Berlin gehandelt werden. Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig.“

Mit diesen Worten hat Henning von Tresckow in der Tat „vor der Welt und vor der Geschichte“ Recht behalten. Denn er hat exakt den Grund beschrieben, weshalb der 20. Juli für uns Deutsche nicht nur ein Gedenktag sondern auch ein Feiertag sein sollte.

Brahms´ Erste und der 20. Juli

Der vorliegende Chorsatz ist insbesondere der Erinnerung an die Taten Elsers und Stauffenbergs gewidmet. Der 4. Satz der 1. Sinfonie von Johannes Brahms ist in mehrfacher Weise geeignet, diesem Anliegen einen würdigen Rahmen zu setzen. Vom hymnusartigen Hauptthema ab Takt 61 bis zur triumphalen Wiederholung des Choralthemas im Finale ab Takt 407 bietet dieser 4. Satz einen ganzen Reigen an Möglichkeiten, den Überzeugungen, den Hoffnungen, den Kämpfen, den Erfolgen, aber auch den Niederlagen des deutschen Widerstands musikalischen Ausdruck zu verleihen.

Es würde für diese Einführung zu weit führen, alle Gedanken des Verfassers hinsichtlich der jeweiligen Verbindungen der Partitur zu den historischen Abläufen der Attentate zu kommentieren. Vielmehr seien zwei ganz besondere Passagen herausgegriffen, die quasi den Spannungsrahmen des Chorwerks abbilden: Der Hymnus im Hauptsatz ab Takt 61 und die Coda ab Takt 395.

Die patriotische Motivation der Verschwörer des 20. Juli soll im hymnusartigen Hauptthema ab Takt 61 gesanglich untermalt werden. Der bekannte Ausruf Stauffenbergs im Augenblick seiner Hinrichtung („Es lebe das heilige Deutschland!“) findet dort seine vorgezogene Entsprechung:

„Wir stehn fest zusammen fürs heilige deutsche Land.
Auf immer und ewig bleibst Du unser Vaterland!“

Es ist dies gleichsam das fiktive „Gelöbnis“ der Verschwörer des 20. Juli, zu dem sich Stauffenberg im Moment seiner Hinrichtung nochmals bekennt. Vergleichbar heißt es in der französischen Nationalhymne, der Marseillaise, seit über 220 Jahren: „Amour sacré de la patrie, conduis, soutiens nos bras vengeurs!“ Also: „Heilige Liebe zum Vaterland, führe und unterstütze unsere rächenden Arme!“

Man könnte dies als eine poetische Umschreibung der Motive der Verschwörer des 20. Juli begreifen, sozusagen als das Stoßgebet Stauffenbergs unmittelbar vor dem Attentat. Denn die Verteidigung des Vaterlandes gegen Hitler und sein verbrecherisches Regime war auch für viele der Verschwörer des 20. Juli eine geradezu „heilige“ Pflicht. Und deswegen ist der vom Augenblick der Hinrichtung überlieferte Ausruf Stauffenbergs eine ergreifende Verdichtung seiner Vaterlandsliebe, die es wert ist, musikalisch zitiert zu werden.
„Bis Dein Glück erwacht“, der Titel des Chorwerks, ist der im Text mehrfach zitierte, sozusagen symbolische „Kampfruf“ der deutschen Widerstandskämpfer, der im auf den Hymnus folgenden „erläuternden“ Vierzeiler ab Takt 69 eingeführt wird:

Mein Deutschland, hast viel bestanden,
jetzt folgt schon die nächste Schmach.
Bist betäubt durch die eitlen Banden!
So kämpf, bis Dein Glück erwacht!

Hier wird „Deutschland“ stellvertretend für das Deutsche Volk direkt angesprochen und zum Kampf gegen das Hitler-Regime aufgefordert. Damit soll der inhaltliche Bund zwischen dem Vaterland und den patriotischen Kämpfern verdeutlicht werden.

Im weiteren Verlauf wechselt dann die Perspektive immer wieder zwischen der Aufforderung an das Vaterland („Kämpf, bis Dein Glück erwacht“!) und dem eigenen Gelöbnis („Wir kämpfen, bis Dein Glück erwacht!“)
Nach der variierenden Wiederholung des Hymnus´ werden Inhalt und Ziel dieses Kampfes in einem weiteren Vierzeiler ab Takt 85 mit Inhalten konkretisiert, die dann im Verlauf der Chorpartitur in vielfacher Weise zitiert werden:

Erwehre Dich Deiner Schinder
und dränge sie mit Macht zurück,
damit alle Deine Kinder
erleben der Zukunft Glück!

Die Textierung des Finales schließlich soll die Durchführung des Attentats und seine Nachwirkungen begleiten. Die bereits im Verlauf des 4. Satzes variierten Textbestandteile werden in der Coda ab Takt 395 nochmals verdichtet:

Wir stehen fest! So wehre Dich!
Wir drängen sie mit Macht zurück
und kämpfen bis Dein Glück erwacht,
bis Tag zerreißt die Nacht!
Und machen Euch den Weg bereit
für Freiheit, Recht und Einigkeit!

Die musikalische Entwicklung findet sodann ihren Höhepunkt im unmittelbar anschließenden Choralthema ab Takt 407, welches textlich begleitet wird durch die Worte:

„Wir stehen fest fürs Deutsche Vaterland“

Damit soll derjenige Augenblick musikalisch-dramatisch nachgezeichnet werden, in welchem Stauffenberg sowie seine engen Mitverschörer Olbricht, von Mertz und von Haeften in der Nacht zum 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks auf Befehl des Generaloberst Friedrich Fromm erschossen werden.

20. Juli und Patriotismus

Selbst im Moment des Scheiterns und im Angesicht der gnadenlosen Rache des Hitler-Regimes wünschten sich die Verschwörer, von der Nachwelt als deutsche Patrioten wahrgenommen zu werden. Peter Graf Yorck von Wartenburg hat dies unmittelbar vor der Hinrichtung am 8. August 1944 im Abschiedsbrief an seine Mutter so ausgedrückt:

„Vielleicht kommt doch einmal die Zeit, wo man eine andere Würdigung für unsere Haltung findet, wo man nicht als Lump, sondern als Mahnender und als Patriot gewertet wird.“

Der Patriotismus, den Stauffenberg, Yorck von Wartenburg und viele andere Widerstandskämpfer des 20. Juli repräsentieren, ist der Gegenentwurf zu Nationalismus und Chauvinismus. Dieser Patriotismus lebt von der Völkerfreundschaft. Ja, er ist in vielerlei Hinsicht sogar deren Voraussetzung.

Denn Patriotismus heißt Vaterlandsliebe. Nur wer sein eigenes Land liebt, kann auch echte Zuneigung zu den Angehörigen anderer Völker und Nationen entwickeln, weil er deren Verwurzelung in ihrer jeweiligen Heimat, ihrer Sprache, ihrer Kultur, ihrem Gesellschafts- und Wertesystem sowie ihren Gepflogenheiten und Gebräuchen ebenso nachempfinden kann wie ihren Stolz auf die künstlerischen, wissenschaftlichen oder sportlichen Erfolge ihrer großen Töchter und Söhne.

Diese völkerverbindende Eigenschaft des Patriotismus ist ganz unabhängig von der Ethnie. Entscheidend ist ausschließlich die Zugehörigkeit zum jeweiligen Staatsvolk als der Gemeinschaft aller Staatsangehörigen. Gerade deswegen ist Patriotismus auch die Voraussetzung für jeglichen Integrationserfolg von Zuwanderern. Die Integration in eine Gesellschaft, die nicht in der Lage ist, ein Zusammen-gehörigkeits¬¬gefühl vorzuleben und auch einzufordern, wird gerade von Zuwanderern aus archaisch geprägten Kulturen rundweg abgelehnt.

Von Stauffenberg zum Grundgesetz

„Und machen Euch den Weg bereit für Freiheit, Recht und Einigkeit!“: Die textlich insinuierte Vorbereitung eines demokratischen Deutschlands durch Stauffenberg und seine Mitverschwörer ist mehr im übertragenen Sinn zu verstehen, auch wenn es insbesondere im zivilen Arm der Verschwörer des 20. Juli auch zahlreiche Vordenker unseres Grundgesetzes gab.

Denn die Taten und die Opfer Stauffenbergs und der vielen anderen Widerstandskämpfer haben vor allem Eines erreicht: Sie haben Deutschland noch auf dem Weg in den totalen Abgrund einen Teil der nationalen Würde zurückgegeben. Dies hat ganz wesentlich beigetragen zur schnellen Rückkehr Deutschlands in den Kreis der zivilisierten Nationen.

In diesem Sinne machten die deutschen Widerstandskämpfer uns „den Weg bereit für Freiheit, Recht und Einigkeit“. Sie sind unsere deutschen Helden im Kampf gegen den Nationalsozialismus und können uns und kommenden Generationen als Vorbilder dienen.

Elser und Stauffenberg können den Kulturbruch durch Auschwitz nicht relativieren – übrigens ebenso wenig wie Schindler dies kann. Aber für uns Deutsche ist das Gedenken an die Befreiung des Lagers Auschwitz am 27. Januar ebenso wichtig wie das Gedenken an den 20. Juli. Der deutsche Widerstand gegen das ruchlose Hitler-Regime ist und bleibt das identitätsstiftende Element für unsere Demokratie.

Brahms´ Erste als Chorsatz

Auch wenn die 1. Sinfonie von Johannes Brahms vom Dirigenten Hans von Bülow als „10. Sinfonie Beethovens“ bezeichnet wurde, so bedeutet dies keineswegs, dass diese Sinfonie wie „Beethovens Neunte“ im 4. Satz für einen Chor geschaffen wäre. Dementsprechend ist jegliches Arrangement eines Chorsatzes bei einem derart komplexen sinfonischen Werk erheblichen Schwierigkeiten ausgesetzt. Im Ergebnis ist eine Chor-Partitur entstanden, deren Aufführung angesichts der technischen Herausforderungen einen professionellen oder mindestens semiprofessionellen Konzertchor voraussetzt.

Ein besonderes chortechnisches Problem stellt schließlich die Spielzeit dar und damit die Geschwindigkeit der Aufführung. Für die von Brahms selbst geleitete zweite Aufführung am 7. November 1876 in Mannheim werden für den 4. Satz 16 min Spielzeit angegeben. Hört man sich Aufführungen heutiger Dirigenten wie Seiji Ozawa an, die nach ziemlich exakt 16 min den 4. Satz beenden, so ist ein Chorwerk darauf nicht singbar.
Am anderen Ende stehen historische Aufführungen von Sergiu Celibidache, der den 4. Satz mit den Münchner Philharmonikern über volle 19.45 min ausgebreitet und dadurch zum „Mitsingen“ geradezu eingeladen hat. Noch singbar sind auch Aufführungen mit „mittleren“ Spielzeiten wie diejenigen von Christoph von Dohnányi mit dem NDR-Sinfonieorchester, die bei ca. 17.20 min enden.

Wie dem auch sei: Es wäre sehr zu wünschen, dass sich Orchester und Chöre dem vorliegenden Chorwerk annehmen – nicht nur, um auf die erhabenen Brahms´schen Melodien zu singen sondern auch um auf diese besondere Weise das Andenken an diejenigen Deutschen wachzuhalten, die in Deutschlands dunkelsten Jahren unter Einsatz ihres Lebens in Deutschland selbst die universellen Grundlagen und Werte menschlichen Lebens verteidigt haben.

Bildergalerie

Download (Text und Partitur)

  Bis Dein Glück erwacht (Partitur und Essay) (1,5 MiB, 580 hits)